Punta Arenas 

Punta Arenas war ursprünglich eine Strafkolonie und hieß zuerst Sandy Point. Das wurde dann später zu Punta Arenas übersetzt. Wir haben zwei Nächte hier verbracht. Mit dem Hostel hatten wir nicht so viel Glück diesmal. Die Leute waren zwar nett und total hilfreich, wie sie das hier in fast jedem Hostel sind, unser Zimmer war allerdings eine ziemlich schräge Bruchbude, durch die der Wind pfiff. Wir haben uns schönere Häuser angeschaut.

Die 1903 erbaute Villa eines ehemaligen Schafbarons beherbergt heute ein Museum.
  
So reich konnte man mit Schafen werden. Alles Holz und aller Marmor, die in diesem Haus verbaut wurden, wurden aus Europa importiert.
  

Wir haben auch den Friedhof von Arenas Punta besucht, der mich ziemlich fasziniert hat. Ich würde mir die Begräbnisbräuche gern von einem Chilenen erklären lassen. Leider ist der Tod kein klassisches Smalltalkthema und ich traue mich nicht zu fragen. Mal davon abgesehen, dass mein Spanisch für diese Unterhaltung wahrscheinlich nicht ausreicht. Es gibt jedenfalls Mausoleen von Familien und Berufsgruppen (Polizei zumindest), Gräber wie bei uns und „Grabschränke“ (oder Urnenschränke?).

    
    

Relativ neue Mausoleen. Es sind noch Plätze frei.

Am Samstagabend war so starker Wind, wie ich ihn noch nie erlebt hatte. Wir wollten Abendessen gehen und waren uns nicht sicher, ob man gefahrlos draußen herumlaufen könnte. Der Eigentümer des Hostels hat uns beruhigt und uns trotzdem angeboten, uns mit dem Auto zum Restaurant zu fahren. Ist das nicht nett?

Am Sonntag wollten wir einen ganztägigen Ausflug nach Feuerland machen. Ich wollte so gern nach Feuerland und habe mich sehr darauf gefreut. Wir hatten eine Tour gefunden, die uns gut gefällt. Um 7.30 Uhr sollte uns ein Bus beim Hostel einsammeln. Der Ausflug sollte eine Rundtour machen und den Besuch einer typischen Ranch, eine Stadtrundfahrt in Porvenir und den Besuch einer Königspinguinkolonie beinhalten. Königspinguine auf Feuerland – klingt das nicht super? Wir haben im Hostel gebeten, früher frühstücken zu können, und saßen um 7.30 Uhr mit unserem Rucksack und einer Thermoskanne Tee bereit da. Ich habe mir keine Sorgen gemacht, als der Bus um 7.40 Uhr noch nicht da war. Der Eigentümer des Hostels hat jedoch gleich bei der Agentur angerufen. Er hat sich wohl schon etwas gedacht. Unser Ausflug fiel aus, weil der Wind so stark war, dass die Fähren nicht fuhren. Feuerland ist eine Insel und die Tour hätte eine halbstündige und eine zweistündige Fährfahrt beinhaltet. Kein Feuerland. Keine Königspinguine. Die Einheimischen haben uns gesagt, dass der Wind eine Geschwindigkeit von 120 bis 140 km/h hätte. Ich dachte, dass sie übertreiben. Am nächsten Tag haben wir auf der Titelseite einer Tageszeitung gelesen, dass die Windgeschwindigkeit über der Magellanstraße sogar 220 km/h betrug. Da war ich dann doch froh, dass die Fähren nicht gefahren sind.

Da saßen wir nun am Sonntagmorgen mit unserem Proviant und unserem Tee. In Punta Arenas ist nicht viel los und am Sonntag ist erst recht alles geschlossen. Wir haben dann den einzigen halbtägigen Ausflug gemacht, der keine Fährfahrt beinhaltet. Das war ein Besuch von Fuerte Bulnes und Puerto Hambre, den ersten Siedlungen der Europäer bzw. Chilenen so weit südlich. Die Busfahrt zum Fort war abenteuerlich. 120 km/h schneller Wind lässt auch einen Bus nicht unbeeindruckt. Der Eintritt zum Fuerte Bulnes war ziemlich überteuert. Das nachgebaute Fort ist eigentlich nur eine Sammlung leerer Blockhütten und Hütten aus Erdziegeln. Es gibt ein paar Informationstafeln und diese haben den Besuch doch interessant gemacht. Von 1843 bis 1847 wurde versucht, bei Fort Bulnes eine neue Kolonie zu errichten, um Chiles Anspruch auf die Magellanstraße zu sichern. Das schlechte Wetter und der karge Boden haben das außerordentlich schwierig gemacht und der Versuch war ein einziges Desaster. 1847 wurde die Kolonie aufgegeben und alle sind nach Punta Arenas umgezogen.

Fuerte Bulnes
  
  
An der Aussicht kann es nicht gelegen haben.
  
Araukarien mit Blockhütte
  
Irre Araukarie von Nahem
  

Der Besuch von Puerto Hambre war noch etwas trauriger. Hier haben die Spanier bereits 1584 eine Siedlung gegründet, sind dann aber alle verhungert.

Puerto Hambre
  
  
Dieses Denkmal nah am Puerto Hambre markiert die geographische Mitte Chiles. Hier sind die Nordgrenze zu Peru und der Südpol gleich weit entfernt. Aha.

Am Sonntagnachmittag ist der starke Wind ganz plötzlich vorbei. Der ausgefallene Ausflug oder der Mangel an Aufregendem in Punta Arenas führen dazu, dass wir zu einem langsameren Rhythmus des Anschauens finden, bei dem mehr Zeit für Spontanes bleibt.Wir holen uns bei einem langen Strandspaziergang sandige Füße.

  
    
  

Das Instituto Patagonia hat sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an die ersten Siedler zu bewahren und stellt alte und nicht ganz so alte Gerätschaften aus.

  
 

Dampftraktor
  
Eine 1910 in Hannover gefertigte Dampflok, die auf Feuerland verwendet wurde. Die Europaimporte scheinen noch nicht vorbei zu sein. Erst gestern haben wir einen Laster mit Werbung für Schierker Feuerstein gesehen. Ihr wisst schon, dieser Kräuterlikör aus dem Harz.
  
Eine Kutsche, die wohl näher an den Gerätschaften ist, die die ersten Siedler zur Verfügung hatten.
  
  

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