Im Kuchenland

Zu den merkwürdigsten Dingen, die ich je gesehen und gegessen habe, gehören das „deutsche“ Brot und der „deutsche“ Kuchen, die in einer Bäckerei in Südkorea angeboten wurden. Insofern war ich etwas skeptisch, als uns mehrere Chilenen erzählt haben, dass es in Frutillar wie in Deutschland aussähe, also wie in Bayern (!), und außerdem tollen deutschen Kuchen gäbe.

Wir sind mit dem Bus von Castro nach Frutillar gefahren. Einen Teil der 5,5 Stunden langen Busfahrt haben wir mit der Fähre zurückgelegt.

Meine Skepsis war unbegründet. Die Häuser in Frutillar haben mich tatsächlich an Deutschland erinnert, und der Kuchen war fantastisch. Ansonsten liegt in Frutillar der Hund begraben. Es war schwierig, in Frutillar Bajo, das ist der Teil, der am See liegt, einen Supermarkt zu finden.

Frutillar
Kuchenladen in Frutillar

Frutillar wurde 1856 von deutschen Einwanderern gegruendet. Die chilenische Regierung hatte damals ein Einwanderungsprogramm und hat in Deutschland dafuer geworben, als Siedler nach Chile zu ziehen.

Frutillar Bajo liegt am Lago Llanquihue, dem zweitgroessten See Chiles. Der Strand besteht aus schwarzem Vulkansand.
Bei gutem Wetter sieht aus dem Ort man zwei Vulkane, den auf dem Bild zu sehenden Osorno und den Calbuco.
Garten des Kolonialmuseums und Blick auf Frutillar
Magnolien im Museumsgarten

Das Museo Colonial Alemán stellt nachgebaute Haeuser, Einrichtungsgegenstaende und landwirtschaftliche Maschinen der deutschen Besiedlungszeit aus. Leider gibt es nur wenige Informationstafeln. Die wenigen Tafeln enthalten Saetze des Typs „Die deutschen Siedler brachten ihre typisch deutsche Kultur mit.“ Worin die typisch deutsche Kultur bestand, wird nicht spezifiziert. Das Kegeln gehoerte wohl dazu und das Klavierspielen, denn es waren mehrere Klaviere ausgestellt. Ein weiteres Informationshighlight war der Satz „Der Schmied und seine Familie wohnten im Haus des Schmiedes.“ Es wurde auch erklaert, dass der Schmied jeden Tag Werkzeuge fuer den Lehnherren herstellen musste. Gleichzeitig war im Haus des Schmiedes ein teures Klavier ausgestellt. Mir erschien das nicht realistisch, aber ich bin keine Historikerin.
Die aeltesten Ausstellungsstuecke waren aus der zweiten Haelfte des 19. Jahrhunderts. Die Einrichtung des Landhauses sah mir zum grossen Teil eher wie aus der ersten Haelfte des 20. Jahrhunderts aus. Waehrend unseres Besuchs war die Wassermuehle geschlossen. Angeblich werden dort mehr Informationen ueber die Besiedelung gegeben. Genug gemeckert, das Museum ist trotz allem interessant und lohnt einen Besuch.

Das nachgebaute Haus des Schmiedes im Museum.
Eine landwirtschaftliche Maschine, die mit einer Dampfmaschine angetrieben wurde. Eine Dreschmaschine?

Die Deutschen haben das Kegeln mitgebracht.
Radio im Landhaus im Museum in Frutillar
Kinderwagen im Landhaus im Museum in Frutillar
Once, das ist eine Brotzeit, aus Sandwich, Kuchen und Kaffee. Ich habe noch nie besseren Himbeerkuchen gegessen. Wir konnten uns nicht einigen, ob der Himbeerstreuselkuchen oder der Himbeersahnekuchen besser waren. Ehrlich gesagt, konnte ich mich schon mit mir selbst nicht einigen, welcher besser schmeckte. Sie waren beide traumhaft gut.
Das vor 5 Jahren eroeffnete Theater am Strand von Frutillar.
Wir haben uns am Samstagabend in Frutillar „Kaash“, eine tolle Auffuehrung zeitgenoessischen Tanzes, im Theater in Frutillar angesehen.
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3 Gedanken zu “Im Kuchenland

  1. ich glaube, ich würde den himbeersahnekuchen lieber mögen. sieht unglaublich lecker aus und eine sehr spannende stadt. die eigene kultur in fremden ländern wieder zu entdecken finde ich durchaus ziemlich interessant!!

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    1. Ja, ich finde es auch sehr interessant, die eigene Kultur in fremden Ländern zu entdecken. Es kann aber auch interessant und sehr merkwürdig sein, weil sich die Kultur ja meist in dem anderen Land verändert. Manchmal bis zur Unkenntlichkeit. In Frutillar war es erstaunlich wenig merkwürdig.

      Ich habe übrigens auch den Himbeersahnekuchen gegessen.

      Gefällt 1 Person

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