Der Vulkan Villarrica – so nah und doch so fern

Der Vulkan Villarrica ist eine Diva: wunderschoen, launisch und ein bisschen gefaehrlich. Er ist einer der aktivsten Vulkane Chiles. Im Maerz diesen Jahres ist er das letzte Mal ausgebrochen. Wir verbringen 3 Tage in Pucón, das nur 15 km vom Krater entfernt liegt. Urspruenglich wollten wir eine gefuehrte Wanderung an den Kraterrand machen. Das war bis Maerz moeglich. Momentan ist es wegen der erhoehten Aktivitaet des Vulkans nicht moeglich. Dafuer haben wir den Krater abends aus der Ferne rot leuchten sehen. Tagsueber sieht man kleine Rauchwoelkchen aus dem Krater aufsteigen. Allerdings nur bei klarer Sicht, die hier zu dieser Jahreszeit nicht unbedingt haeufig ist.

Statt vor Tsunamis wird hier vor Vulkanausbruechen gewarnt.
Pucón ist ein Touristenort, mit allen Vor- und Nachteilen. Es gibt tolle touristische Infrastruktur mit Agenturen, die Ausfluege fuer jeden Geschmack anbieten, vielen Restaurants, unzaehligen Thermalquellen, zwei Nationalparks in der Naehe, Vulkanblick, Skifahren, Fallschirmspringen und Seestrand. Andererseits sind die Ausfluege und die Restaurants sehr teuer und es gibt im Ort wenig, das nicht fuer Touristen gedacht ist.

Ueberraschenderweise gibt es in Pucón nur ein Museum, naemlich ein Mapuche-Museum. Das indigene Volk der Mapuche hat lange vor den europaeischen Siedlern dort gelebt, wo heute Chile ist. Die Mapuche haben den Spaniern erfolgreich Widerstand geleistet. Im Jahr 1551 landete der Spanier Pedro de Valdivia in der Gegend. Ab 1597 griffen die Mapuche wieder an, so dass sich die Spanier 1602 komplett aus der Region zurueckgezogen haben. Erst ab 1899 kamen wieder europaeische Siedler in die Gegend von Pucón.

Die Mapuche haben sich weiterentwickelt und auch nuetzliche Braeuche der Europaeer uebernommen. Vielleicht erklaert das ihr Ueberleben. Auch heute leben noch viele Mapuche in Chile. Beispielsweise haben sie angefangen, Metall zu verarbeiten und Schafe zu halten. Metallverarbeitung war ihnen vor Ankunft der neuen Siedler unbekannt.  Da sie Tauschhandel betrieben, haben sie das Silbergeld, das sie beim Handel mit den Siedlern einnahmen, eingeschmolzen und zu Schmuck- und Gebrauchsgegenstaenden verarbeitet. Kolumbus hat auf seiner zweiten Fahrt Kuehe, Schafe, Ziegen und Pferde nach Suedamerika gebracht, die sich schnell vermehrt haben. Schafwolle hat die Kleidungssituation der Mapuche revolutioniert. Vorher lebten sie im Wesentlichen nackt, nur Haeuptlinge waren angezogen. Durch die Schafwolle hat sich Kleidung fuer alle durchgesetzt.

In der Gegend um Pucón kann man die traditionelle Kueche der Mapuche probieren. Wir haben einen Eintopf mit Gemuese und Weizen gegessen, der gut geschmeckt hat, aber nicht besonders ueberraschend war. Frueher haben sich die Mapuche vor allem von den Fruechten der Araukarien ernaehrt. Momentan ist leider keine Saison dafuer, so dass wir das nicht probieren konnten. Ein kulinarischer Coup der Mapuche ist Merkén. Das ist geraeuchertes Chili, das superlecker schmeckt.

Die Mapuche folgen dem Mondkalender. Ein Jahr hat 13 Monate à 28 Tage und einen zusaetzlichen Neujahrstag. Jeder Monat hat genau vier Wochen. Ich finde, das ist ein sehr schoener, einfacher Kalender. Warum verwenden wir so einen komplizierten Kalender?

Panfloeten aus Stein im Mapuche-Museum in Pucón. Stein ist bei den Mapuche ein Symbol fuer die Ewigkeit.
Mapuche-Totems
Mate-Gefaesse und Schmuckgegenstaende
Wir haben uns in Pucón fuer zwei Tage ein Auto gemietet, einen kleinen, roten, verbeulten Fiat Uno. Der Mann von der Autovermietung hat uns versichert, dass das Auto die Strasse auf den Vulkan Villarrica meistert. Er hatte recht, aber Matthias hat beim Fahren ganz schoen geschwitzt. Wir sind zur Skistation am Hang des Villarrica gefahren und haben eine Wanderung im Schnee gemacht.

Wenn die Strasse so aussieht, als sei sie halbwegs eben, habe ich ein sehr schlechtes Foto gemacht.
Wir sind ueber den tiefhaengenden Wolken und koennen die Diva zum ersten Mal fast ganz sehen.
Unter den Wolken blitzt der Lago Villarrica hervor, an dem Pucón liegt.
Auf dem Rueckweg sieht man den See etwas besser.
Von unserem Bed&Breakfast aus sieht man den Vulkan, wenn man ihn sieht.
Abendrot steht dem Villarrica gut.
Kitschig-schoener Sonnenuntergang ueber dem See
Am zweiten Tag zeigt sich die Diva einmal bei blauem Himmel.
Wir machen eine abenteuerliche Wanderung im Nationalpark Villarrica. Der Weg heisst Lagos Andinos und soll an vier Bergseen vorbeifuehren. Da der Ranger wahrscheinlich noch im Winterschlaf ist, gestaltet sich die Wanderung schwieriger als gedacht. Wir sehen nur die ersten beiden Seen. Danach habe ich die Nase voll davon, mich durchs Unterholz zu schlagen und wir kehren um.

Wir parken den gemieteten Fiat Uno unter einer riesigen Araukarie.
Blick auf den Lago Quillelhue. Hier haben wir unser Auto geparkt.
Lago Quillelhue
 

Erstarrte Lava oder versteinerte Dinosaurierkacke?
Dieses Schild weist darauf hin, dass die Bruecke in schlechtem Zustand ist. Das haetten wir auch ohne Schild gemerkt. Bemerkenswert ist, dass diese Bruecke die einzige im Park war. Wir mussten noch einige Rinnsale und Baeche ueberqueren. Diese hatten entweder keinen Uebergang oder ein bis zwei Staemme ins Wasser gelegt. Tatsaechlich bin ich an einem dieser Baeche vom Baumstamm ins Wasser gefallen. Ich haette gedacht, dass ich zu alt dazu bin, in einen Bach zu fallen. Falsch.
Pause an der Laguna Escondida
Auf dem Weg gibt es viele schoene Baeche. Leider meist ohne Uebergang.
Ausser Araukarien waechst hier jede Menge Bambus. Auf dem Bild sieht man den Weg an einer guten Stelle.
Der getrocknete Bambus ist sehr hart und es ist stellenweise schwer auf dem ueberwucherten Pfad weiterzukommen.
Auf dem Rueckweg aus dem Nationalpark. Man sieht den Vulkan Lanín in Argentinien.
Holzblumen aus Bambus oder Rattan in Pucón.
Mehr Holzblumen
Als wir das klare Wasser am Strand vom Lago Villarrica in Pucón sehen, fragen wir uns, warum wir nicht baden gegangen sind. So kalt ist es nicht. Wir waren auch bei keiner der vielen heissen Thermalquellen. Andererseits wollen wir ein paar schoene, ruhige Tage verbringen und keinen Erlebnisstress. Pucón ist der letzte Halt unserer Reise, abgesehen von einem Stop in Santiago vor dem Rueckflug. Wir wollen die Reise langsam ausklingen lassen.

Der Strand des Lago Villarrica in Pucón
Das klare Wasser des Lago Villarrica
Im Sommer ist hier die Hoelle los. Momentan ist Nebensaison, vieles wird renoviert und ist geschlossen. Es ist schoen ruhig.
Wir machen eine kleine Bootsfahrt auf dem Lago Villarrica.
 
Ich wusste gar nicht, dass es eine deutsche Schokoladentradition gibt. Man lernt nie aus.
 

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5 Gedanken zu “Der Vulkan Villarrica – so nah und doch so fern

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